18. Dezember 2025

Tonhalle St.  Gallen

Winterträume

Ludwig van Beethoven

Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur Op. 73

Allegro – Adagio un poco moto – Rondo Allegro

Pjotr Iljitsch Tschaikowsky

Sinfonie Nr. 1 g-Moll Op. 13 «Winterträume»

Allegro tranquillo – Adagio cantabile ma non tanto – Scherzo. Allegro scherzando giocoso – Finale. Andante lugubre – Allegro moderato – Allegro maestoso

Geschätztes Publikum!

Wir freuen uns euch zwei grandiose Werke der Musikgeschichte präsentieren zu können.
Beethovens fünftes Klavierkonzert entstand im allgemein äusserst schwierigen Jahr 1809. Europa befand sich mitten in den Napoleonischen Kriegen. Im April hatte Österreich Frankreich den Krieg erklärt. Mitte Mai 1809 wurde Wien von den französischen Truppen unter Napoleon bombardiert und besetzt. Schon am 4. Mai war die kaiserliche Familie, darunter auch Erzherzog Rudolph, Beethovens Förderer und Schüler, aus Wien in den ungarischen Teil ihres Herrschaftsbereiches geflohen.

Mit der Besatzung verschlechterten sich die Lebensverhältnisse in Wien. Die einheimische Bevölkerung hatte für den Unterhalt der Truppen aufzukommen, was die allgemeine Versorgungslage dramatisch verschärfte. Beethoven schreibt am 19. September 1809 nach Leipzig: "wir sind hier in geldes Noth, dann, wir brauchen zweimal so viel als sonst - verfluchter Krieg" und am 2. Januar 1810 klagt er "wir haben nicht einmal mehr gutes geniessbares Brod". Die Haltung Napoleon gegenüber schlug 1809 in Ablehnung um.
Etliche Skizzen zum 5. Klavierkonzert befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft mit Skizzen zu Heinrich Joseph von Collins Wehrmannslied "Östreich über alles". Ein weiteres Zeugnis von Beethovens Patriotismus findet sich im Autograph des fünften Klavierkonzerts am unteren Rand der Partitur. Beethoven hält hier zu Beginn des 2. Satzes fest "Östreich löhne Napoleon" - Österreich zahle es Napoleon heim!

Erzherzog Rudolph und die kaiserliche Familie kehrten 1810 aus dem ungarischen Exil nach Wien zurück. Beethoven hatte die Abwesenheit seines Schülers u.a. dafür genutzt, das Konzert zu vollenden. Beethovens Freude über die Rückkehr seines begabten Schülers war gross. Neben der Klaviersonate "Les Adieux" op. 81a erhielt der Erzherzog auch das fünfte Klavierkonzert von seinem Lehrer gewidmet. Eine Widmung, die unter den geschilderten Umständen mehr als nachvollziehbar und folgerichtig erscheint.

Die erste Sinfonie von Pjotr Iljitsch Tschaikowski mit dem Titel Winterträume steht in der Tonart g-Moll und hat die Opuszahl 13. Sie entstand im Jahr 1866. Die mehrmaligen Revisionen zeigen einen Komponisten, der zu Karrierebeginn seinen Personalstil durch die Auseinandersetzung mit den Werken der führenden Komponisten seiner Zeit entwickelt.
Der Beiname "Winterträume" wurde von Tschaikowski selbst vergeben und sollte an seine Kindheitserinnerungen auf dem Land erinnern. Schnee funkelt in der fahlen Wintersonne, ein Pferdeschlitten gleitet durch ein lichtes Birkenwäldchen. Eisblumen wachsen an der Fensterscheibe, in der Stube brodelt der Samowar. Tschaikowski macht dem berühmt-berüchtigten russischen Winter mit all seinen Erscheinungen eine stimmungsvolle Liebeserklärung. Bereits zu Lebzeiten konnte Tschaikowski internationale Erfolge zeigen. Und doch blieb er zeitlebens selbstkritisch. Seine erste Sinfonie «Winterträume» bezeichnete Tschaikowski später als «Sünde seiner holden Jugendzeit».

Nun wünsche ich Ihnen viel Vergnügen!
Ihr Robert Bokor

Klavier

Christian Staub

Christian Staub

Christian Staub wurde 2002 in eine Musikerfamilie geboren. Seinen ersten Klavierunterricht bekam er mit sechs Jahren von seinem Vater. Schon rasch zeigten sich seine grosse Musikalität und sein aussergewöhnlicher Klangsinn. Von 2012 bis 2015 wurde er von Tamara Chitadze unterrichtet. Seit 2015 besuchte er das Kunst und Sport Gymnasium Rämibühl in Zürich und wurde ins Förderprogramm des MKZ (Musikschule Konservatorium Zürich) und in die Klasse von Dimitri Demiashkin aufgenommen. Von 2017 bis 2021 war er Jungstudent am PreCollege der Zürcher Hochschule der Künste, wo er von Mischa Cheung unterrichtet wurde. 2024 hat er seinen Bachelor an der ZhdK in der Klasse von Prof. Konstantin Scherbakov mit Auszeichnung abgeschlossen, wo er nun im Masterprogramm weiterstudiert.

Christian hat Meisterkurse bei Dominique Merlet in Paris, bei Janne Mertanen, Milana Chernyavska, Pavel Nersessian, bei Konstantin Scherbakov an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar sowie bei Claudio Espector und Rafael Gintoli an der Universidad de las Artes in Buenos Aires besucht. Er hat bereits verschiedene Auszeichnungen bei nationalen und internationalen Wettbewerben gewonnen, so u.a. den 1. Preis am Internationalen Wettbewerb Premio Crescendo in Firenze 2018 und einen weiteren 1. Preis am Internationalen Wettbewerb in Treviso 2019. Im Frühjahr 2023 gewann er ein Stipendium der Friedl Wald Stiftung.

Christian ist als Solist und Kammermusiker in der Schweiz, Italien, Spanien und Argentinien aufgetreten, so u.a. im Rahmen des Förderprogramms MKZ, beim Festival ArtDialog Biel, Festival Kammermusik Bodensee, in der Steinway Gallery Zürich, Kunsthalle Appenzell, bei Murikultur, im Auditorium Enric Granadis in Lleida oder der Universidad de las Artes in Buenos Aires. Als Solist mit Orchester debütierte er im Juni 2021 in Rachmaninoffs berühmtem 2. Klavierkonzert mit der Zürcher Kammerphilharmonie unter der Leitung von Dominic Limburg und im September 2021 mit dem HSG Alumni Symphony Orchestra unter der Leitung von Holly Choe.